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Nicolas Sarkozy
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Nicolas Sarkozy ( [], vollstÀndig Nicolas Paul Stéphane Sårközy de Nagy-Bocsa;cite-ref-1[1]cite-ref-2[2] * 28. Januar 1955 in Paris) ist ein französischer Politiker. Von Mai 2007 bis Mai 2012 war er StaatsprÀsident der Französischen Republik.
Zuvor war er von 2002 bis 2004 und 2005 bis 2007 Innenminister sowie von MÀrz bis November 2004 Wirtschafts- und Finanzminister Frankreichs. Von 2004 bis 2007 war Sarkozy Parteivorsitzender der konservativen Union pour un mouvement populaire (UMP), von November 2014 bis August 2016 war er es erneut; in dieser Zeit benannte sich die Partei in Les Républicains um. 2012 verlor er die PrÀsidentschaftswahl gegen François Hollande (Parti socialiste).
Sarkozy wurde nach seiner Amtszeit in mehreren Strafverfahren angeklagt und rechtskrĂ€ftig wegen Bestechung sowie VorteilsgewĂ€hrung verurteilt. In der AffĂ€re um die mutmaĂliche illegale Finanzierung seines Wahlkampfs 2007 durch den damaligen libyschen Diktator Muammar al-Gaddafi wurde er zudem im September 2025 erstinstanzlich der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung schuldig gesprochen und zu fĂŒnf Jahren Haft verurteilt.
Contents
âą Herkunft
âą Nach 2012
âą Strafverfahren
âą Privatleben
âą Schriften
âą Literatur
âą Weblinks
âą Einzelnachweise
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Herkunft
Sarkozys Vater PĂĄl Sarkozy (1928â2023cite-ref-3[3]) stammte aus einer ungarischen Familie (SĂĄrközy de NagybĂłcsa, ungarisch NagybĂłcsai SĂĄrközy), die 1628 in Wien von Kaiser Ferdinand II. in seiner Funktion als König von Ungarn geadelt worden war.cite-ref-4[4]cite-ref-5[5] Die Familie besaĂ in AlattyĂĄn (Komitat JĂĄsz-Nagykun-Szolnok), ca. 100 km sĂŒdöstlich von Budapest, ein Schloss und LĂ€ndereien. 1944 floh Sarkozys Vater vor dem Einmarsch der Roten Armee ĂŒber Ăsterreich nach Deutschland. Nach dem Krieg lieĂ er sich von einem französischen RekrutierungsbĂŒro in Baden-Baden fĂŒr die Fremdenlegion anwerben. Nach dem Abschluss seiner Rekrutenzeit in Sidi bel AbbĂšs (Französisch-Algerien) sollte er ursprĂŒnglich in Indochina eingesetzt werden. Aufgrund eines medizinischen Attests konnte er jedoch bereits 1948 nach Marseille ziehen. 1949 traf er in Paris Nicolas Sarkozys spĂ€tere Mutter AndrĂ©e Mallah. PĂĄl Sarkozy, der insgesamt viermal verheiratet war, trat auch als Maler öffentlich in Erscheinung. So berichtete El PaĂs im Dezember 2011 von der bevorstehenden Ausstellung seiner Bilder im uruguayischen Badeort Punta del Este in der dortigen GalerĂa de las Misiones.cite-ref-6[6]
Sarkozys Mutter AndrĂ©e Mallah ist eine Nachfahrin sephardischer Juden aus Thessaloniki. Ihr GroĂvater hieĂ Mordechai Mallah und war ein wohlhabender Juwelier aus Thessaloniki. Zusammen mit seiner Ehefrau Reina hatte Mallah sieben Kinder. Aaron Benico Mallah, der GroĂvater Sarkozys, war das jĂŒngste der Kinder. Aaron Benico Mallah heiratete 1917 die Katholikin AdĂšle Bovier und konvertierte zum Christentum. Das Ehepaar hatte zwei Töchter namens Suzanne und AndrĂ©e.
Nicolas Sarkozy hat zwei BrĂŒder, Guillaume (* 1951) und François (* 1958), sowie zwei jĂŒngere Halbgeschwister, Caroline und Pierre-Olivier (* 1970), die aus der dritten Ehe seines Vaters (mit Christine de Ganay) stammen. Als diese Ehe 1977 scheiterte, heiratete seine Stiefmutter den US-Diplomaten Frank Wisner jun., Sohn des ehemaligen CIA-Direktors Frank Gardiner Wisner. Sie ging mit ihm in die USA. Nicolas Sarkozy hat bzw. hatte enge Beziehungen zu seinen amerikanischen Stiefgeschwistern und dem 2025 verstorbenen Frank Wisner.
Ausbildung und Beruf
Sarkozy besuchte zunĂ€chst das angesehene LycĂ©e Chaptal im 8. Arrondissement von Paris.cite-ref-7[7] Da er die sechste Klasse nicht bestand, wechselte er auf das katholische Privatgymnasium Saint Louis de Monceau und legte dort 1973 das BaccalaurĂ©at ab (entspricht dem Abitur). AnschlieĂend absolvierte er ein Jurastudium an der UniversitĂ€t Paris-Nanterre (UniversitĂ€t Paris X), das er 1978 mit einer MaĂźtrise en droit im Privatrecht abschloss. Nach dem verpflichtenden Wehrdienst bei den LuftstreitkrĂ€ften erwarb er ein DiplĂŽme dâĂ©tudes approfondies (DEA) in Politikwissenschaft. Von 1979 bis 1981 studierte er zudem am Institut dâĂ©tudes politiques de Paris (Sciences Po), blieb dort aber ohne Abschluss.
Seit 1981 besitzt er eine Zulassung als Rechtsanwalt (avocat) bei der Anwaltskammer Paris. 1987 grĂŒndete er mit zwei Kollegen die Kanzlei Leibovici â Claude â Sarkozy. Auch parallel zu seiner politischen Karriere setzte er seine TĂ€tigkeit als Anwalt fort.
Politische Karriere
Bis 1993: politischer Aufstieg
Sarkozy engagierte sich bei der gaullistischen Jugendorganisation Union des jeunes pour le progrĂšs (UJP) und trat 1974 der damaligen Regierungspartei Union des dĂ©mocrates pour la RĂ©publique (UDR) bei. Im selben Jahr war er Wahlkampfhelfer des (erfolglosen) PrĂ€sidentschaftskandidaten Jacques Chaban-Delmas. Aus der UDR ging 1976 das von Jacques Chirac gefĂŒhrte neogaullistische Rassemblement pour la RĂ©publique (RPR) hervor, in dem Sarkozy schnell Karriere machte; im Alter von 21 Jahren arbeitete er 1977 bereits im Zentralkomitee der Partei mit.
Ebenfalls 1977 wurde er in den Gemeinderat von Neuilly-sur-Seine, einem der wohlhabendsten Vororte von Paris, gewĂ€hlt und war dort von 1983 bis 2002 BĂŒrgermeister. Landesweite Bekanntheit erlangte er 1993 als Vermittler bei einer Geiselnahme in einem Kindergarten seiner Stadt. Die Geiseln blieben unverletzt, der Geiselnehmer wurde durch ein Spezialeinsatzkommando getötet. Von 1983 bis 1988 war Sarkozy zudem Abgeordneter im Regionalrat der Hauptstadtregion Ăle-de-France. DarĂŒber hinaus war er von 1986 bis 1988 VizeprĂ€sident des Generalrats des DĂ©partements Hauts-de-Seine und zeichnete in dieser exekutiven Funktion fĂŒr die Kulturpolitik des DĂ©partements verantwortlich.
Bei der Parlamentswahl 1988 kandidierte Sarkozy erstmals im 6. Wahlkreis des DĂ©partements Hauts-de-Seine, in dem Neuilly-sur-Seine und Puteaux liegen. In dieser Hochburg der Konservativen wurde er mit 67,4 Prozent der Stimmen gleich im ersten Wahlgang als Abgeordneter in die Nationalversammlung gewĂ€hlt. Dieser gehörte er wĂ€hrend vier Legislaturperioden bis 2005 an â mit Unterbrechungen, wenn er ein Regierungsamt innehatte und sein Parlamentsmandat daher niederlegen musste.
1993â2002: Haushaltsminister und Oppositionszeit
Vom 30. MĂ€rz 1993 bis zum 11. Mai 1995 war Sarkozy Haushaltsminister der Regierung Balladur, deren Sprecher er auch war. Im Wahlkampf fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl 1995 unterstĂŒtzte Sarkozy nicht seinen Parteichef, Jacques Chirac, sondern dessen innerparteilichen Konkurrenten, den amtierenden Premierminister Ădouard Balladur. Chirac wertete dies als Verrat, das VerhĂ€ltnis zwischen Sarkozy und Chirac galt seither als nachhaltig zerrĂŒttet. Chirac gewann die Wahl und Sarkozy wurde nicht in das Kabinett des neuen Premierministers und Chirac-Vertrauten Alain JuppĂ© berufen.
Als Abgeordneter gehörte Sarkozy von 1995 bis 2002 dem Finanz- und Wirtschaftsausschuss der Nationalversammlung an, in der das Mitte-rechts-Lager nach dem Sieg der Linken bei der Parlamentswahl 1997 in Opposition stand. Unter dem Parteivorsitzenden Philippe SĂ©guin wurde er 1998 GeneralsekretĂ€r des RPR. Nach dem RĂŒcktritt SĂ©guins im April 1999 war Sarkozy Interimsvorsitzender der Partei, bis das RPR im Dezember desselben Jahres MichĂšle Alliot-Marie zur neuen Vorsitzenden wĂ€hlte. Bei der Europawahl im Juni 1999 war er Spitzenkandidat der gemeinsamen Liste von RPR und DĂ©mocratie libĂ©rale, die mit 12,8 Prozent der Stimmen eine schwere Niederlage erlitt. Sarkozy selbst erhielt ein Mandat im EuropĂ€ischen Parlament, auf das er jedoch bereits zwei Monate spĂ€ter verzichtete.cite-ref-8[8]
2002â2007: Innen- und Wirtschaftsminister, UMP-Vorsitzender
Das RPR ging im Zuge der PrĂ€sidentschaftswahl 2002 in der Mitte-rechts-Sammelpartei Union pour un mouvement populaire (UMP) auf, die den Amtsinhaber Jacques Chirac unterstĂŒtzte. AnschlieĂend war Sarkozy vom 7. Mai 2002 bis zum 30. MĂ€rz 2004 französischer Innenminister in der Regierung von Premierminister Jean-Pierre Raffarin. In dieser Zeit erwarb er sich den Ruf eines Law-and-order-Politikers, der entschlossen gegen KriminalitĂ€t vorgeht. Dies machte ihn in der Bevölkerung populĂ€r.
Bei den französischen Regionalwahlen im MĂ€rz 2004 erlitten die Konservativen eine Niederlage, Sarkozy selbst ĂŒberstand die Wahl jedoch unbeschadet und wurde als Abgeordneter des Wahlbezirks (Kanton) Neuilly-sur-Seine Nord in den Generalrat des DĂ©partements Hauts-de-Seine und zum PrĂ€sidenten dieses Generalrats gewĂ€hlt. Am 31. MĂ€rz 2004 billigte StaatsprĂ€sident Chirac eine neue Kabinettsliste, auf der Sarkozy als âSuperministerâ fĂŒr Wirtschaft, Finanzen und Industrie stand, der damit auch die Verantwortung fĂŒr die geplanten Wirtschaftsreformen in Frankreich ĂŒbernahm. WĂ€hrend dieser Zeit setzte er u. a. die Ăbernahme des deutsch-französischen Pharmaunternehmens Aventis durch den französischen Konkurrenten Sanofi-SynthĂ©labo (seither Sanofi-Aventis) durch.
Ende November 2004 wurde Sarkozy von den UMP-Mitgliedern mit 85 % der Stimmen zum Parteivorsitzenden gewĂ€hlt. Auf Druck von StaatsprĂ€sident Chirac musste er daraufhin das Amt des âSuperministersâ aufgeben. Da das VerhĂ€ltnis zwischen Sarkozy und Chirac seit der PrĂ€sidentschaftswahl 1995 (siehe oben) belastet war, wird vermutet, dass der StaatsprĂ€sident die mit der Wahl des âSuperministersâ Sarkozy zum UMP-Parteichef entstandene âĂmterhĂ€ufungâ lediglich zum Anlass nahm, um dem weiteren Aufstieg seines Konkurrenten einen âDĂ€mpferâ zu versetzen. Vergebens â denn am 2. Juni 2005 kehrte Sarkozy in der Regierung von Premierminister Dominique de Villepin, in das Amt des Innenministers zurĂŒck, in dem er bereits in der Regierung Raffarin Sympathien bei der Bevölkerung gewonnen hatte.
Im Juni 2005 löste Sarkozy in der französischen Ăffentlichkeit eine lebhafte Debatte aus, als er bei zwei Besuchen der Pariser Vorstadt La Courneuve erklĂ€rte, angesichts der dort herrschenden hohen JugendkriminalitĂ€t im Zusammenhang mit den dortigen Unruhen im Jahr 2005 drĂ€nge sich ihm die Formulierung auf, hier âmit dem Hochdruckreiniger vorzugehenâ.cite-ref-9[9] Die Wortwahl Sarkozys fĂŒhrte nicht zuletzt zum ZerwĂŒrfnis mit seinem Kabinettskollegen, dem französischen Minister fĂŒr die Förderung von Chancengleichheit, Azouz Begag.cite-ref-10[10] Im Oktober und November 2005 wurde Sarkozy erneut kritisiert, weil er protestierende Jugendliche (meist nordafrikanischer Herkunft) als âGesindelâcite-ref-11[11] bezeichnet hatte.
Siehe auch
:
Unruhen in Frankreich 2005
Clearstream-AffÀre
Im Jahr 2004 wurde Sarkozy im Rahmen der AffĂ€re Clearstream II denunziert. So lieĂ ein anonymer Informant einem Untersuchungsrichter gefĂ€lschte ComputerauszĂŒge des Luxemburger Clearing-House Clearstream zukommen, die fĂ€lschlicherweise suggerierten, Sarkozy und andere Prominente hĂ€tten ĂŒber Geheimkonten bei Clearstream Schmiergelder beim Verkauf französischer Fregatten an Taiwan kassiert. Sarkozy strengte ein gerichtliches Verfahren zur KlĂ€rung der Verantwortlichkeit fĂŒr diese Verleumdungskampagne an. Dabei unterstellte er seinem parteiinternen Konkurrenten Dominique de Villepin, als Innenminister dem Untersuchungsrichter Sarkozy entlastendes Material vorenthalten zu haben. Im Mai 2006 gab der VizeprĂ€sident des Luftfahrt-Konzerns EADS, Jean-Louis Gergorin, zu, die anonymen Briefe an den Untersuchungsrichter verfasst zu haben. Die HintergrĂŒnde dieser VerleumdungsaffĂ€re wurden bis heute nicht restlos aufgeklĂ€rt.
PrÀsidentschaftswahl 2007
Sein (erneutes) Amt als Innenminister brachte ihn seinem Ziel, Kandidat der UMP fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl 2007 zu werden, noch nĂ€her. Chirac favorisierte den ihm stets in LoyalitĂ€t verbundenen Premierminister Villepin (UMP) als âThronerbenâ fĂŒr das höchste Amt des Staates, konnte sich damit aber nicht durchsetzen. Zur parteiinternen Vorwahl der UMP vom 2. bis 14. Januar 2007 zogen alle anderen Kandidaten (MichĂšle Alliot-Marie, Rachid Kaci, Dominique de Villepin, Nicolas Dupont-Aignan) ihre Kandidatur zurĂŒck, Sarkozy trat als einziger an und wurde mit 98,1 % der abgegebenen Stimmen nominiert.
Im Vorfeld der PrĂ€sidentschaftswahlen wurde Sarkozy in seiner Funktion als Innenminister Ende Januar 2007 von dem ehemaligen Greenpeace-Frankreich-GeschĂ€ftsleiter, Bruno Rebelle, der nach seinem Ausscheiden aus Greenpeace als umweltpolitischer Wahlkampfberater im Team SĂ©golĂšne Royals tĂ€tig war, der Spionage beschuldigt. Ăber die angeblichen nachrichtendienstlichen Ermittlungen berichtete das Magazin Le Canard enchaĂźnĂ© am 24. Januar 2007. Ebenfalls im Canard enchaĂźnĂ© erschienen Anfang MĂ€rz 2007 Berichte, Sarkozy habe in seiner Zeit als BĂŒrgermeister von Neuilly-sur-Seine einem BautrĂ€ger VergĂŒnstigungen bei der ErschlieĂung eines Wohnkomplexes auf der Ăle de la Jatte gewĂ€hrt und nach dessen Errichtung dort eine Doppelwohnung zu gleichfalls ungewöhnlich gĂŒnstigen Konditionen erworben.cite-ref-12[12]
Bei der PrÀsidentschaftswahl wurde Sarkozy im zweiten Wahlgang am 6. Mai 2007 zum neuen StaatsprÀsidenten gewÀhlt. Er gewann die Stichwahl gegen die Kandidatin der sozialistischen Partei, SégolÚne Royal, mit 53,06 %.cite-ref-13[13] Bereits im ersten Wahlgang am 22. April 2007 hatte Sarkozy mit 31,11 % die relative Mehrheit erzielt, aber die erforderliche absolute Mehrheit verfehlt.
Vor Antritt seines Amtes geriet Sarkozy in die Kritik der französischen Presse und Opposition, da er seinen Sieg am Wahlabend im Pariser Luxushotel Fouquetâscite-ref-14[14] mit Freunden aus Industrie und Showbusiness feierte und die darauf folgenden Tage auf der Yacht des französischen Industriellen Vincent BollorĂ© an der KĂŒste Maltas verbrachte.cite-ref-15[15]
2007â2012: PrĂ€sident der Französischen Republik
Bei seinem ersten Staatsbesuch als französischer StaatsprĂ€sident in Berlin erklĂ€rte Sarkozy am 16. Mai 2007, die deutsch-französische Freundschaft sei fĂŒr Frankreich âheiligâ und könne durch nichts in Frage gestellt werden.cite-ref-16[16] Auch nach der Wahl zum StaatsprĂ€sidenten blieb er dabei, dass die TĂŒrkei keinen Platz in der EU habe.cite-ref-17[17] Einen Tag spĂ€ter ernannte Sarkozy seinen engen Vertrauten und Wahlkampfberater François Fillon zum Premierminister und am 18. Mai die 15 Minister des Kabinetts Fillon.
Nach der PrĂ€sidentschaftswahl forderte Sarkozy einen âklaren Auftragâ der französischen WĂ€hler zur Umsetzung seines wirtschaftsliberalen Reformprogramms. Bei den Parlamentswahlen am 10. und 17. Juni 2007 verfehlten jedoch die UMP und die mit ihr verbĂŒndete liberale Partei Nouveau Centre die angepeilte und nach Umfragen realistisch erscheinende Zweidrittelmehrheit klar. Das ParteibĂŒndnis von Sarkozy erzielte dennoch die absolute Mehrheit. Nach dem vorlĂ€ufigen amtlichen Endergebnis gewannen UMP und NC 345 der insgesamt 577 Sitze in der Nationalversammlung, 14 Sitze weniger als bisher.cite-ref-18[18] Pressekommentare sprachen von der ersten Niederlage des neuen PrĂ€sidenten und sogar von einer âSchlappeâ Sarkozys.cite-ref-19[19]
Bei seiner ersten Reise nach Afrika als PrĂ€sident im Juli 2007 machte er klar, dass schlechtes Regieren nicht lĂ€nger mit Entwicklungshilfe honoriert werden könne, und warb bei Afrikas Bildungselite dafĂŒr, in der Heimat zu bleiben. In einer leidenschaftlichen Rede am 26. Juli vor Studenten der UniversitĂ© Cheikh Anta Diop de Dakar bezeichnete Sarkozy die Kolonisation als groĂen Fehler. Sie sei aber nicht verantwortlich fĂŒr alle aktuellen Probleme Afrikas. Die Afrikaner seien fĂŒr ihre Entwicklung auch selbst zustĂ€ndig.cite-ref-20[20] Sowohl von afrikanischen Intellektuellen als auch Afrika-Experten weltweit wurde die Rede kritisiert, weil Aussagen, dass âder afrikanische Mensch nur unzureichend die Geschichte betretenâ habe und âin einer stets gleichbleibenden Ordnungâ bleibe, an klassische koloniale und rassistische Muster erinnerten.cite-ref-21[21]
Um nach seinen schlechten Umfragewerten wieder an PopularitĂ€t zu gewinnen, bemĂŒhte Sarkozy eines seiner klassischen Themen, die Einwanderungspolitik oder vielmehr das Problem der Sans Papiers, der in Frankreich lebenden AuslĂ€nder ohne Aufenthaltsgenehmigung. FĂŒr 2007 war dabei ein Ziel von 25.000 Abschiebungen ausgegeben worden, die zum Teil mit erheblichem Gewalteinsatzcite-ref-22[22] betrieben wurden; die Zahl wurde um 1.000 verfehlt.cite-ref-23[23] Am 20. Dezember 2007 besuchte er Papst Benedikt XVI. in Rom. In der Lateranbasilika erhielt er den Titel des Ehrenkanonikers von St. Johannes im Lateran. Damit knĂŒpft er an eine seit 1604 bestehende Tradition an, dass dieser Ehrentitel dem obersten ReprĂ€sentanten Frankreichs ĂŒbertragen wird. Nur in der schlimmsten Phase des Kirchenkampfes zwischen 1905 und 1921 wurde die Tradition unterbrochen.cite-ref-24[24] In der Frage des VerhĂ€ltnisses von Kirche und Staat ist er ein AnhĂ€nger des Konzeptes der positiven LaizitĂ€t.cite-ref-25[25] Im zweiten Halbjahr 2008 bekleidete Sarkozy das Amt des Vorsitzenden des EuropĂ€ischen Rates.
Vorwurf der verdeckten Wahlkampffinanzierung
Laut einer Meldung von Le Monde vom 2. Juni 2010 behauptete ein luxemburgischer Polizeibericht, Sarkozy sei seinerzeit in eine illegale Finanzierung des Wahlkampfs von Ădouard Balladur verstrickt gewesen.cite-ref-26[26] Die VorwĂŒrfe wurden von der französischen Regierung zurĂŒckgewiesen.cite-ref-27[27] Der französische Untersuchungsrichter Marc TrĂ©vidic bestĂ€tigte 2010, dass âRetrokommissionenâ gezahlt worden seien.cite-ref-28[28]
In der noch nicht restlos geklĂ€rten Bettencourt-AffĂ€re wird ihm vorgeworfen, mehrere Jahre lang illegale Spenden von Liliane Bettencourt (1922 bis 2017) in bar erhalten zu haben. Am 3. Juli 2012 â nachdem Sarkozy seine ImmunitĂ€t verloren hatte â durchsuchten Fahnder drei Adressen.cite-ref-29[29] Am 21. MĂ€rz 2013 erhob die Justiz in Bordeaux Anklage gegen Sarkozy. Der Untersuchungsrichter warf ihm vor, die körperlich und geistig schwache Gesundheit von Bettencourt ausgenutzt zu haben, um von ihr erhebliche Geldsummen fĂŒr seinen Wahlkampf im Jahr 2007 zu erhalten.cite-ref-30[30] Im September 2019 entschied der Kassationshof, das höchste französische Gericht, dass eine Beschwerde Sarkozys gegen diesen Prozess unzulĂ€ssig ist.cite-ref-31[31]
Sarkozy und der Fall der Berliner Mauer
Am 8. November 2009 behauptete Sarkozy auf seiner Facebook-Seite, schon am 9. November 1989 vormittags vom bevorstehenden Fall der Mauer unterrichtet gewesen zu sein, am selben Tag nach Berlin gereist zu sein und dem historischen Ereignis beigewohnt zu haben.cite-ref-32[32] Die Kritik an dieser Selbstdarstellung auch von Seiten der konservativen Presse entzĂŒndete sich an der Tatsache, dass selbst das PolitbĂŒro der SED am Morgen des 9. November nicht wusste, dass es am Nachmittag des gleichen Tages die Grenzöffnung fĂŒr den Folgetag beschlieĂen werde, viel weniger noch ein unbedeutender französischer Parlamentsabgeordneter.cite-ref-33[33]cite-ref-lefigaro-2009-11-09-34-0[34] Wahrscheinlicher ist, dass Sarkozy â wie fĂŒr gaullistische Politiker ĂŒblich â am 9. November, dem Todestag von Charles de Gaulle, an der Gedenkfeier fĂŒr den General in Colombey les Deux Ăglises teilnahm.cite-ref-35[35] Auch gab es am 9. November 1989 â anders als Sarkozy behauptete â auf der Westseite des Brandenburger Tors keine auf die Ăffnung wartende enthusiastische Menschenmenge und die Mauer wurde an diesem Tag nicht vom Osten aus mit HammerschlĂ€gen angegriffen. Der mitgenannte Abgeordnete Alain JuppĂ© konnte sich laut einem Radiointerview nicht genau an den Vorgang erinnern, insbesondere nicht an das Datum.cite-ref-36[36] TatsĂ€chlich war Sarkozy nach den Recherchen der Tageszeitung Le Figaro erst am 16. November in Berlin.cite-ref-lefigaro-2009-11-09-34-1[34] Um Sarkozys Darstellung zu retten, berichtete das PrĂ€sidialamt laut 20 Minutes in einer zweiten, nachgeschobenen Version der Berliner Besuche nun von einem heimlichen Besuch am 9. November und einem weiteren am 16. November.cite-ref-37[37]
Roma-Abschiebungen und Immigrationspolitik
Im Sommer 2010 erhob Sarkozy die innere Sicherheit zum Thema. Nach StraĂenkrawallen kĂŒndigte er hĂ€rtere MaĂnahmen gegen Roma an sowie den Entzug der Staatsangehörigkeit von StraftĂ€tern auslĂ€ndischer Herkunft.cite-ref-38[38] Zahlreiche illegale Roma-Wohnsiedlungen wurden gerĂ€umt und hunderte dort wohnende Menschen nach RumĂ€nien und Bulgarien abgeschoben. Die RĂŒckfĂŒhrungen an sich waren nicht ungewöhnlich, da Frankreich seit Anfang 2010 bereits circa 8.000 Roma in ihre Heimat ausgewiesen hatte; neu waren die AnkĂŒndigung kollektiver Ausweisungen und die medienwirksame Auflösung von Siedlungen.cite-ref-39[39]
Le Monde nannte die AnkĂŒndigung eines Entzugs der Staatsangehörigkeit einen Tabubruch, zum einen, weil er dabei zwischen alteingesessenen und eingebĂŒrgerten Franzosen unterscheide, und zum anderen, weil diese AnkĂŒndigung an das Vichy-Regime erinnere, das etwa 15.000 Menschen, groĂteils eingebĂŒrgerten Juden, die NationalitĂ€t entzog.cite-ref-40[40] Sarkozy prĂ€zisierte spĂ€ter, der Entzug der StaatsbĂŒrgerschaft solle fĂŒr denjenigen gelten, der in Frankreich einen Polizisten töte oder lebensgefĂ€hrlich verletze.cite-ref-focus-2010-09-06-41-0[41] Nachdem die französische Regierung beschlossen hatte, etwa 1000 Roma nach Bulgarien und RumĂ€nien auszufliegen, protestierten im September 2010 Zehntausende von Franzosen in 130 StĂ€dten gegen Fremdenfeindlichkeit und Rassismus.cite-ref-42[42] Auch in RumĂ€nien und Mazedonien kam es zu Protestdemonstrationen gegen diese Abschiebungen.cite-ref-focus-2010-09-06-41-1[41] Die MaĂnahmen Frankreichs fĂŒhrten zu erheblichen Spannungen zwischen Frankreich und der EuropĂ€ischen Kommission.cite-ref-43[43]
MilitÀrische Intervention in Libyen
Nach Ausbruch des BĂŒrgerkriegs in Libyen im FrĂŒhjahr 2011 entschied sich Sarkozy fĂŒr die Anerkennung des Nationalen Ăbergangsrats als Gegenregierung durch Frankreich,cite-ref-44[44] setzte sich auf Ebene der EuropĂ€ischen Union als Erster fĂŒr gezielte Luftangriffe auf libysche Ziele eincite-ref-45[45] und lud dann am 19. MĂ€rz 2011 zum Pariser Gipfeltreffen ein, das dem Internationalen MilitĂ€reinsatz in Libyen unmittelbar vorausging. Vom französischen Innenminister Claude GuĂ©ant wurde Sarkozy dafĂŒr gelobt, dass er âden Kreuzzug zur Mobilisierung des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen, und dann die Arabische Liga und die Afrikanische Unionâ angefĂŒhrt hatte.cite-ref-46[46] Am 25. MĂ€rz sagte Sarkozy: âJeder Herrscher muss verstehen, und vor allem jeder arabische Herrscher muss verstehen, dass die Reaktion der internationalen Gemeinschaft und Europas von nun an jedes Mal die Gleiche sein wirdâ.cite-ref-47[47] Ăber den französischen Philosophen Bernard-Henri LĂ©vy heiĂt es, dass ein Anruf von ihm bei Sarkozy eine entscheidende Rolle bei dessen Entscheidung fĂŒr die militĂ€rische Intervention gespielt habe.cite-ref-48[48] Der Schriftsteller Boualem Sansal erklĂ€rte Sarkozys Verhalten dagegen mit dem âImageproblemâ, das dieser âin der arabischen Weltâ gehabt habe, weil sein Premierminister und seine AuĂenministerin sich Urlaube von Diktatoren finanzieren lieĂen und weil er selbst Mubarak und Gaddafi in Paris hofiert hatte. Sarkozy habe lediglich seine GlaubwĂŒrdigkeit wiederherstellen wollen.cite-ref-49[49]
PrÀsidentschaftswahl 2012
Bei der ersten Runde der PrĂ€sidentschaftswahl am 22. April 2012 erreichte Nicolas Sarkozy mit 27,18 % der gĂŒltigen Stimmen als Zweitplatzierter hinter seinem sozialistischen Herausforderer François Hollande, welcher 28,63 % erzielte, den Einzug in den zweiten Wahlgang (Stichwahl).
Drei Tage vor der Stichwahl diskutierten die beiden Kandidaten live in einem Fernsehduell. Sarkozy hatte Hollande zu drei Duellen aufgefordert; Hollande hatte einem zugestimmt. Sarkozy hatte zuvor versucht, mit ârechtenâ Themen wie innere Sicherheit und Zuwanderung Stimmen zu gewinnen,cite-ref-50[50] namentlich Stimmen von denen, die im ersten Wahlgang Marine Le Pen gewĂ€hlt hatten.cite-ref-sp1-51-0[51] Den zweiten Wahlgang am 6. Mai 2012 verlor Sarkozy gegen Hollande mit 48,38 gegen 51,62 Prozent der Stimmen.cite-ref-52[52]
Nach 2012
Als ehemaliger StaatsprĂ€sident ist Nicolas Sarkozy automatisch Mitglied des Conseil constitutionnel, des französischen Verfassungsgerichts. Im Juli 2013 erklĂ€rte er seinen RĂŒcktritt aus dem Rat, nachdem dieser die RĂŒckforderung der Wahlkampfkostenerstattung fĂŒr Sarkozys PrĂ€sidentschaftskampagne 2012 (wegen Ăberschreitung der Obergrenze fĂŒr die Ausgaben) bestĂ€tigt hatte.cite-ref-lm130704-53-0[53] Da ein solcher RĂŒcktritt nicht vorgesehen ist, bedeutet die Entscheidung, dass Sarkozy weiterhin Mitglied des Conseil constitutionnel ist, aber an dessen Sitzungen nicht teilnimmt.cite-ref-54[54]
Die Beanstandung der Wahlkampfkostenabrechnung fĂŒr die Kampagne Sarkozys war auch verbunden mit einem BuĂgeld gegen Sarkozy persönlich in Höhe von 360.000 Euro. Dieses bezahlte zunĂ€chst die UMP. Nachdem eine interne Revisionskommission diese Ăbernahme beanstandete und Anzeige gegen mehrere FĂŒhrungspersonen der UMP wegen Untreue erstattete (die Verfahren wurden im September 2015 eingestellt), erstattete Sarkozy der UMP die ĂŒbernommene Strafzahlung bei seiner RĂŒckkehr in den Parteivorsitz.cite-ref-55[55]
Am 19. September 2014 kĂŒndigte Sarkozy seine erneute Kandidatur fĂŒr den Vorsitz der UMP an.cite-ref-56[56] Er gewann die Urwahl zum Vorsitzenden am 30. November 2014 mit knapp 65 Prozent vor Bruno Le Maire mit knapp 30 Prozent der Stimmen.cite-ref-57[57] Dies wurde von Beobachtern auch als Vorbereitung einer erneuten PrĂ€sidentschaftskandidatur 2017 gewertet.cite-ref-58[58] Laut einer Umfrage im August 2015 lag er bei einer Bewerbung unter den AnhĂ€ngern der Republikaner eine absolute Mehrheit von 52 Prozent, lag aber unter den AnhĂ€nger der Rechten und des Zentrums insgesamt mit 35 Prozent hinter Alain JuppĂ© (40 Prozent) zurĂŒck.cite-ref-59[59]
Am 26. August 2016 kĂŒndigte Sarkozy seine Kandidatur fĂŒr die Vorwahlen der Rechten und des Zentrums zur PrĂ€sidentschaftswahl 2017 an und trat gleichzeitig vom Vorsitz der Republikaner zurĂŒck, um die NeutralitĂ€t der ParteifĂŒhrung zu wahren. Bei der öffentlichen Vorwahlcite-ref-60[60] am 20. November 2016 schied Sarkozy mit 20,7 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang aus.cite-ref-61[61] Er kĂŒndigte am Wahlabend an, er werde sich mehr ins Private zurĂŒckziehen und bei der parteiinternen Stichwahl am 27. November 2016 François Fillon wĂ€hlen.cite-ref-62[62]
Am 15. Juni 2025 wurde Sarkozy aus der Ehrenlegion ausgeschlossen, da laut den Regeln der Ehrenlegion ein rechtskrÀftig verurteilter StraftÀter nicht Mitglied sein darf.cite-ref-63[63] Die zuvor einzige Aberkennung erfolgte bei Philippe Pétain, 1940 bis 1944 Staatschef des Vichy-Regimes.cite-ref-64[64]
Strafverfahren
Gegen Sarkozy wurde und wird seit Ende seiner PrĂ€sidentschaft in mehreren Verfahren ermittelt. In einigen weiteren Verfahren galt er nicht als Beschuldigter, sondern als tĂ©moin assistĂ© (am ehesten zu ĂŒbersetzen mit âverdĂ€chtigter Zeugeâ), weitere gegen ihn gerichtete Verfahren wurden eingestellt. Er bestreitet die gegen ihn erhobenen VorwĂŒrfe vehement. Das Pariser Strafgericht verurteilte ihn im September 2025 wegen âkrimineller Vereinigungâ in der Libyen-AffĂ€re mit Gaddafi.cite-ref-65[65]
AffÀre Bismuth: Bestechung und VorteilsgewÀhrung
Im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Unbekannt wegen illegaler Wahlkampffinanzierung â die UMP soll fĂŒr die PrĂ€sidentschaftswahl 2007 rund 5 Millionen Euro aus dem Umfeld Muammar al-Gaddafis erhalten haben â wurden Abhörprotokolle von TelefongesprĂ€chen Sarkozys mit seinem Anwalt bekannt. In diesen Telefonaten soll Sarkozy von einem Juristen am Kassationsgerichtshof vertrauliche Informationen ĂŒber Ermittlungen in der AffĂ€re Woerth-Bettencourt erhalten haben; dem Juristen habe er im Gegenzug UnterstĂŒtzung bei dessen Bewerbung um einen Posten in Monaco versprochen.cite-ref-66[66] Am 1. Juli 2014 wurde Sarkozy im Zuge dieser Ermittlungen in Polizeigewahrsam genommen.cite-ref-67[67] Es war das erste Mal, dass ein ehemaliger französischer PrĂ€sident in Polizeigewahrsam genommen wurde.cite-ref-68[68] Sarkozy wurde nach mehr als 14-stĂŒndiger Befragung nach Mitternacht zwei Ermittlungsrichtern vorgefĂŒhrt, die gegen ihn ein Strafverfahren wegen Korruption, illegaler Einflussnahme und Verletzung des Ermittlungsgeheimnisses eröffneten. Im MĂ€rz 2016 bestĂ€tigte der Kassationsgerichtshof, dass die Abhörprotokolle im Ermittlungsverfahren und einem möglichen Strafprozess verwendet werden dĂŒrfen.cite-ref-69[69] Am 23. November 2020 begann das Hauptverfahren gegen Sarkozy.cite-ref-70[70]
In dieser AffĂ€re Sarkozy-Azibert oder AffĂ€re Bismuth verurteilte das Pariser Tribunal correctionnel Sarkozy im MĂ€rz 2021 wegen Bestechung und VorteilsgewĂ€hrung (corruption active et trafic dâinfluence) zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, von denen zwei Jahre zur BewĂ€hrung ausgesetzt wurden und ein Jahr als Hausarrest mit elektronischer FuĂfessel vollstreckt werden soll. Er ist der erste ehemalige StaatsprĂ€sident Frankreichs, der zu einer unbedingten Freiheitsstrafe verurteilt wurde. Auch wurde ihm das Recht, zu wĂ€hlen sowie öffentliche Ămter auszuĂŒben, fĂŒr drei Jahre entzogen.cite-ref-71[71]cite-ref-72[72]cite-ref-73[73] Zwar bestĂ€tigte das Berufungsgericht das Urteil im Mai 2023, Sarkozy legte dagegen aber noch Kassationsbeschwerde ein.cite-ref-74[74]cite-ref-75[75] Im Dezember 2024 bestĂ€tigte der Kassationshof das Urteil in letzter Instanz.cite-ref-76[76] Nachdem er drei Monate lang die elektronische FuĂfessel getragen hatte, wurde diese Strafe im Mai 2025 vorzeitig ausgesetzt.cite-ref-77[77]
AffÀre Bygmalion: Illegale Wahlkampffinanzierung
Seit Februar 2016 war Sarkozy Beschuldigter im Ermittlungsverfahren zur AffĂ€re Bygmalion, in der es um illegale Wahlkampffinanzierung geht.cite-ref-78[78] Die Werbeagentur Bygmalion soll dabei Leistungen fĂŒr die PrĂ€sidentschaftskampagne 2012 in Höhe von rund 20 Millionen Eurocite-ref-79[79] nicht dem dafĂŒr zustĂ€ndigen Organisationskomitee, sondern der UMP direkt in Rechnung gestellt haben. Damit sollte nach Auffassung der Staatsanwaltschaft eine Ăberschreitung der Kostenobergrenze fĂŒr den Wahlkampf verschleiert werden. Eine solche Ăberschreitung hĂ€tte den Wegfall der Wahlkampfkostenerstattung zur Folge gehabt (die nach 2012 durch ein Urteil der zustĂ€ndigen Kommission bereits wegen anderer UnregelmĂ€Ăigkeiten entfiel, in diesem Zusammenhang musste Sarkozy eine GeldbuĂe zahlencite-ref-lm130704-53-1[53]). Im September 2016 beantragte die Staatsanwaltschaft die Eröffnung eines Strafprozesses gegen Sarkozy und 13 weitere Beschuldigtecite-ref-80[80], im Februar 2017 stimmte der Ermittlungsrichter dem zu.cite-ref-81[81] Der Prozess wurde im MĂ€rz 2021 eröffnet.cite-ref-le02201123-82-0[82]
Am 30. September 2021 wurde Sarkozy wegen illegaler Wahlkampffinanzierung zu einem Jahr Haft ohne BewĂ€hrung verurteilt. Das Gericht entschied, dass die Strafe die Form eines elektronisch ĂŒberwachten Hausarrests haben soll.cite-ref-83[83] Im Berufungsverfahren wurde mit Urteil vom 14. Februar 2024 die einjĂ€hrige Haftstrafe bestĂ€tigt, davon aber sechs Monate zur BewĂ€hrung ausgesetzt. Gegen diese Entscheidung legte Sarkozy Revision ein.cite-ref-84[84] Am 26. November 2025 wurde das Urteil rechtskrĂ€ftig; die Entscheidung, ob Sarkozy die Strafe im Hausarrest verbĂŒĂen kann, steht noch aus.cite-ref-85[85]
Libyen-AffĂ€re: Haftstrafe wegen âkrimineller Verschwörungâ
Sarkozy wird ebenfalls vorgeworfen, fĂŒr seinen Wahlkampf 2007 Zahlungen aus Libyen angenommen zu haben. In diesem Verfahren wurde er im MĂ€rz 2018 und erneut im Oktober 2020 fĂŒr Vernehmungen in Polizeigewahrsam genommen.cite-ref-le02201123-82-1[82] Zwar zog im November 2020 der Hauptbelastungszeuge seine Beschuldigung zurĂŒck; die Ermittlungsbehörden erklĂ€rten aber, weiter zu ermitteln.cite-ref-86[86]
Am 25. September 2025 wurde Sarkozy zu einer Haftstrafe von fĂŒnf Jahren verurteilt; er wurde der âkriminellen Verschwörungâ (association de malfaiteurs) fĂŒr schuldig befunden, jedoch von KorruptionsvorwĂŒrfen freigesprochen. Er habe als Minister und UMP-Vorsitzender engen Mitarbeitern und politischen UnterstĂŒtzern, die in seinem Namen handelten, erlaubt, finanzielle UnterstĂŒtzung in Libyen zu erhalten oder dies zu versuchen, um die Finanzierung des Wahlkampfs 2007 zu sichern. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass es sich dabei um Tatsachen von auĂergewöhnlicher Schwere handelte, die das Vertrauen in die Institutionen der Republik untergraben könnten. Seine angekĂŒndigte Berufung hat keine aufschiebende Wirkung.cite-ref-87[87]cite-ref-88[88] Am 21. Oktober 2025 trat er seine Haftstrafe im Pariser GefĂ€ngnis La SantĂ© an.cite-ref-89[89] GemÀà Artikel 17 der Verfassung wĂ€re eine Begnadigung möglich. Am 10. November 2025 wurde einem Antrag auf Haftverschonung stattgegeben. Dementsprechend wurde er unter Auflagen nach drei Wochen aus der Haft entlassen.cite-ref-90[90]
Privatleben
Nicolas Sarkozy hat dreimal geheiratet und ist Vater dreier Söhne und einer Tochter. In erster Ehe war er ab September 1982 mit Marie-Dominique Culioli verheiratet, aus der Ehe gingen die Söhne Pierre (* 1985) und Jean (* 1986) hervor.
Am 23. Oktober 1996 heiratete er CĂ©cilia Ciganer-AlbĂ©niz, deren erste Trauung mit Jacques Martin er 1984 in seiner Rolle als BĂŒrgermeister des Pariser Vororts Neuilly-sur-Seine selbst vollzogen hatte.cite-ref-91[91] Sie brachte aus dieser Ehe zwei Töchter mit. Am 28. April 1997 wurde ihr gemeinsamer Sohn Louis geboren. Im Sommer 2005 wurde das Scheitern der Ehe öffentlich. Im Januar 2006 wurde die Nachricht bekannt, das Ehepaar Sarkozy versuche einen gemeinsamen Neuanfang. Nach der Wahl Sarkozys zum PrĂ€sidenten ĂŒbernahm CĂ©cilia Sarkozy einzelne politische Aufgaben wie den umstrittenen Besuch bei Muammar al-Gaddafi in Libyen, der zur Freilassung inhaftierter bulgarischer Krankenschwestern beitrug, fĂŒllte jedoch die Rolle der PremiĂšre dame (ersten Dame) nicht nach herkömmlichen Vorstellungen aus. Am 18. Oktober 2007 gab der ĂlysĂ©e-Palast die Trennung und einvernehmliche Scheidung des Paares bekannt; öffentliche Spekulationen ĂŒber die GrĂŒnde endeten bald.
Am 2. Februar 2008 heirateten Sarkozy und die italienisch-französische SĂ€ngerin Carla Bruni in Paris.cite-ref-92[92] Die seit Dezember 2007 öffentliche Liaison war weltweit auf enormes Medienecho gestoĂen und hatte auch politisch fĂŒr Aufsehen gesorgt, weil Bruni Sarkozy als nicht verheiratete Partnerin auf offizielle EmpfĂ€nge in islamisch geprĂ€gte LĂ€nder und nach Indien begleiten sollte.cite-ref-93[93] Am 19. Oktober 2011 kam eine gemeinsame Tochter namens Giulia zur Welt.cite-ref-94[94] Sarkozy wurde als erster französischer PrĂ€sident wĂ€hrend seiner Amtszeit Vater.cite-ref-95[95]
Sarkozy ist Philatelist.cite-ref-96[96]
Ehrungen und Auszeichnungen
âą Ritter (2004) und GroĂkreuz (2007) der Ehrenlegion (2025 ausgeschlossen)
âą GroĂkreuz des Ordens Karls III. (2004)
âą Ehrenkanonikus der Erzbasilika San Giovanni in Laterano (2007â2012)
âą GroĂkreuz des Ordre national du MĂ©rite (2007)
âą GroĂkreuz des Ordens des heiligen Karl (2008)
âą Knight Grand Cross des Order of the Bath (2008)
âą Collane des Ordens vom Kreuz des SĂŒdens (2009)
âą Collane des Ordens Karls III. (2009)
⹠Ehrenmedaille der Spezialeinheit TerrorbekÀmpfung (RAID) der französischen Polizei
âą Komtur des belgischen Leopolds-Ordens
âą Orden des FĂŒrsten Jaroslaw des Weisen I. Klasse (2010)
âą Ritter des spanischen Orden vom Goldenen Vlies (2011)
Schriften
⹠Georges Mandel, le moine de la politique. Grasset, Paris 1994, ISBN 2-246-46301-7. (französisch)
⹠Libre. Robert Laffont-Fixot, Paris 2001, ISBN 2-266-13303-9. (französisch)
âą Nicolas Sarkozy u. a.: La RĂ©publique, les religions, lâespĂ©rance: entretiens avec Thibaud Collin et Philippe Verdin. Ăd. du Cerf, Paris 2004, ISBN 2-204-07283-4. (französisch)
âą TĂ©moignage. XO Ă©ditions, Paris 2006, ISBN 2-84563-287-8. (französisch). Englische Version: Testimony: France in the Twenty-First Century. Pantheon Books 2007, ISBN 0-375-42505-5. Deutsche Version: Was zu tun ist. Frankreich, Europa und die Welt im 21. Jahrhundert. C. Bertelsmann, MĂŒnchen 2007, ISBN 978-3-570-01015-0.
⹠Ensemble. XO éditions, Paris 2007, ISBN 2-84563-345-9. (französisch)
⹠La France pour la vie. Plon, Paris 2016, ISBN 978-2-259-24894-5 (französisch)
âą Die Zeit der StĂŒrme. Band I, Autobiographie, Morstadt Verlag, Kehl am Rhein 2021, ISBN 978-3-88571-397-5.
Literatur
Französisch
âą Ghislaine Ottenheimer: Les deux Nicolas. La Machine Balladur. PLON, Paris 1994, ISBN 2-259-18115-5.
âą Anita Hausser: Sarkozy. ItinĂ©raire dâune ambition. LâArchipel, Paris 2003, ISBN 2-84187-495-8.
âą Victor Noir: Nicolas Sarkozy. Le destin de Brutus. DenoĂ«l, Paris 2005, ISBN 2-207-25751-7. (dt. Ăbers.: Nicolas Sarkozy â das Schicksal von Brutus)
âą Jean G. Padioleau: La sociĂ©tĂ© du radar: lâEtat sarkozyste au KĂ€rcher. LâHarmattan, Paris 2005, ISBN 2-7475-9713-X.
âą Yasmina Reza: Lâaube le soir ou la nuit. Flammarion, Paris 2007, ISBN 2-08-120916-0. (dt. Ăbers.: FrĂŒhmorgens, abends oder nachts)
âą Franz-Olivier Giesbert: M. le PrĂ©sident: ScĂšnes de la vie politique, 2005â2011.cite-ref-97[97] Flammarion, Paris 2011, ISBN 978-2-08-125953-9.
âą Patrick Buisson: La Cause de peuple. LâHistoire interdite de la PrĂ©sidence Sarcozy.
Deutschsprachige ZeitschriftenbeitrÀge
âą Martin Koopmann: Auf dem Weg zum ElysĂ©e: die pragmatische Profilierungspolitik des Senkrechtstarters Nicolas Sarkozy. In: Internationale Politik. Bielefeld: Bertelsmann (2004), 59 (NovemberâDezember 2004) 11â12, S. 149â153.
âą Medard Ritzenhofen: Kabale und Krise: Chiracs âfin de rĂšgneâ, Sarkozy in den Startlöchern. In: Dokumente. Bonn: Gesellschaft fĂŒr Ăbernationale Zusammenarbeit, Band 62 (Juni 2006) 3, ISSN 0012-5172, S. 5â10.
âą JĂŒrg Altwegg: Napoleon im Medienzeitalter? Sarkozy und die Pressefreiheit. In: Dokumente. Bonn, Band 62 (2006), 4, ISSN 0012-5172, S. 64â68.
âą Tilman MĂŒller: Nicolas Sarkozy â der neue Napoleon, ein Egomane im Elysee. In: Stern. Hamburg (2007) 20, S. 30â46.
âą Kolja Lindner: Soziale Bewegungen und autoritĂ€rer Populismus. Proteste und PrĂ€sidentschaftswahlen in Frankreich. In: Prokla. Zeitschrift fĂŒr kritische Sozialwissenschaft, Nr. 148, 37. Jg., Heft 3/2007, S. 459â479.
Deutschsprachige Biografien
âą Daniela Kallinich: Nicolas Sarkozy. Vom AuĂenseiter zum PrĂ€sidenten. Ibidem-Verlag, Stuttgart 2011, ISBN 978-3-8382-0122-1.
âą Albrecht Rothacher: Nicolas Sarkozy, der Mann der schneller als sein Schatten lief. In: Das UnglĂŒck der Macht. Frankreichs PrĂ€sidenten von de Gaulle bis Macron. Berliner Wissenschaftsverlag, Berlin. 2020. ISBN 978-3-8305-3959-9. S. 477â516.
Film
âą La ConquĂȘte.cite-ref-98[98] Regie: Xavier Durringer, 2011
Weblinks
Commons
: Nicolas Sarkozy
â Album mit Bildern und Audiodateien
âą Literatur von und ĂŒber Nicolas Sarkozy im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
⹠Nicolas Sarkozy in der Abgeordneten-Datenbank des EuropÀischen Parlaments
Einzelnachweise
cite-note-11. â DĂ©cret du 31 dĂ©cembre 2004 portant promotion et nomination. (gouv.fr [abgerufen am 19. Dezember 2024]).
cite-note-22. â LĂ©gifrance - Publications officielles - Journal officiel - JORF n° 0001 du 01/01/2005. Archiviert vom Original am 4. Dezember 2024; abgerufen am 29. September 2025 (französisch).
cite-note-33. â Nicolas Sarkozys Vater ist mit 94 Jahren gestorben. 5. MĂ€rz 2023, abgerufen am 5. MĂ€rz 2023 (englisch).
cite-note-44. â SĂĄrközy II., v. Nagy-Borsa. | Siebmacher: Wappenbuch | KĂ©zikönyvtĂĄr. Abgerufen am 19. Dezember 2024 (ungarisch).
cite-note-55. â Nicolas-Philippe Piot: Sogenannte Namen und andere Leckereien. Paris 2009, zitiert in: Stefan BrĂ€ndle (Paris): Von wegen âvon & zuâ. In: Der Standard, Tageszeitung, Wien, 12./13. Dezember 2009, S. 7.
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cite-note-77. â Primaire de la droite: le parcours de Nicolas Sarkozy. 3. November 2016, abgerufen am 19. Dezember 2024 (französisch).
cite-note-88. â Nicolas Sarkozy in der Abgeordnetendatenbank des EuropĂ€ischen Parlaments
cite-note-99. â âLe terme ânettoyer au karcherâ est le terme qui s'impose, parce qu'il faut nettoyer cela.â France 2, 29. Juni 2005.
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cite-note-2121. â Andreas Eckert: Ist Afrika ein Kontinent ohne Geschichte? Wissenschaftler antworten auf Sarkozys Rede von Dakar. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung. 8. September 2008, S. 40. Zu dem Thema erschienen mehrere BĂŒcher: Makhily Gassama (Hrsg.): LâAfrique rĂ©pond Ă Sarkozy. Contre le discours de Dakar. Paris 2008, ISBN 978-2-84876-110-7. Jean-Pierre ChrĂ©tien (Hrsg.): LâAfrique de Sarkozy. Un dĂ©ni dâhistoire. Paris 2008, ISBN 978-2-8111-0004-9. Abdoul Aziz Diop: Sarkozy au SĂ©nĂ©gal. Le rendez-vous manquĂ© avec lâAfrique. Paris 2008, ISBN 978-2-296-05631-2.
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